Zinsentwicklung 2020: Interview mit Dr. Stephan Simon

Wie entwickeln sich die Zinsen in den kommenden Jahren? Diese zentrale Frage stellen sich alle, die Geld anlegen möchten. Der Finanzexperte Dr. Stephan Simon verrät im Interview seine Zinsprognose für die nächsten Jahre und gibt Sparern einen wertvollen Rat mit.

ZINSPILOT: Die Zinsen sind hierzulande seit Jahren auf Talfahrt. Deshalb resignieren deutsche Sparer zunehmend bei der Geldanlage. Was meinen Sie: Kann man auch in Zukunft mit Tages- und Festgeld noch eine gute Rendite erzielen?

Dr. Stephan Simon: Absolut. Vor allem, wenn man Tages- und Festgeld mit den typischen festverzinslichen und nahezu risikofreien Anlagealternativen für Privatkunden wie Bundesanleihen, Pfandbriefe, aber auch Unternehmensanleihen vergleicht. Denn mit diesen Produkten erzielen Anleger schon seit Jahren eine negative Rendite, während es genug Banken gibt, die attraktive Zinsen zahlen und gleichzeitig einen EU-weit einheitlichen Einlagenschutz von bis zu 100.000 Euro bieten.

ZINSPILOT: Immer mehr große Banken in Deutschland sprechen sich für die Einführung von Strafzinsen aus. Somit werden zukünftig sowohl Firmen- als auch Privatkunden Negativzinsen auf ihre Geldeinlagen zahlen. Gehören Strafzinsen für deutsche Sparer bald zum Alltag?

Dr. Stephan Simon: Ja, allerdings voraussichtlich nur für Einlagenbeträge jenseits eines Freibetrags, denn alles andere wäre politisch und aus Imagegründen nicht durchsetzbar. Diese Freibeträge, wie auch die Höhe und Bezeichnung der Negativzinsen, werden sich von Bank zu Bank unterscheiden. Der durchschnittliche Sparer wird durch geschickte Aufteilung seiner Einlagen auf mehrere Banken, z. B. über Anlageservices wie ZINSPILOT, den Strafzinsen entgehen können.

ZINSPILOT: Die Zinsentwicklung wird vor allem vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst. Wie beurteilen Sie die Zinsentwicklung der EZB in den nächsten Jahren? Wie sieht Ihre Zinsprognose für den kurz- bis mittelfristigen Ausblick (1-3 Jahre) und für den längerfristigen Ausblick (10 Jahre) aus?

Dr. Stephan Simon: Ich rechne mit keinen wesentlichen Veränderungen bei den Leitzinsen in den nächsten Jahren. Einerseits wäre eine Erhöhung nicht im Einklang mit dem sich leicht verschlechternden gesamtwirtschaftlichen Ausblick. Andererseits würde eine weitere Senkung der Zinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln, wohl verpuffen und darüber hinaus auf noch schärfere politische und gesellschaftliche Kritik stoßen.

ZINSPILOT: Zum Schluss des Interviews noch ein Fazit: Welchen Rat geben Sie deutschen Sparern im Hinblick auf die Zinsentwicklung mit?

Dr. Stephan Simon: Ruhe bewahren, aber den Markt im Auge behalten. Im Vergleich zu anderen festverzinslichen Anlagen wird es weiterhin attraktive Angebote für Sparer geben. Mein Tipp: In Abhängigkeit vom Anlagehorizont durchaus längere Laufzeiten ins Anlageportfolio beimischen, um etwas höhere Zinsen zu erzielen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Kurzvita von Dr. Stephan Simon

Dr. Stephan Simon studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Passau, Lund und Jerusalem. Nach dem Studium war seine erste berufliche Station die Unternehmensberatung McKinsey, wo er im Bereich Finanzdienstleister tätig war. Im Anschluss promovierte Dr. Simon zur Zinsstruktur und Zinspositionierung von Banken an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Während seiner beruflichen Laufbahn betreute er insbesondere die Abteilungen, die sich mit der Steuerung von Zahlungsströmen befassen (Treasury) sowie Risiko- und Finanzfunktionen von Banken als auch Aufsichtsbehörden, wie die EZB und leitete zuletzt das kontinentaleuropäische Treasury-Geschäft der Unternehmensberatung Oliver Wyman.

Aktuell ist Dr. Simon für die Leitung und Weiterentwicklung des Bereichs Funding-Strategie und Einlagenanalyse beim Hamburger Fintech-Unternehmen Deposit Solutions zuständig.

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