Wissenswertes zum Leitzins der EZB

Immer wieder hört man Berichte über die Senkung des Leitzins, eine andauernde Nullzinspolitik und über Negativzinsen. Dabei gibt es unzählige Zinsangebote, die weder bei null Prozent noch im negativen Bereich liegen. So stellt sich mehr denn je die Frage, was der Leitzins eigentlich ist und wie er sich genau auswirkt. Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären Ihnen, was es mit dem Leitzins auf sich hat:

Was sind Leitzinsen?

Leitzinsen sind ein von der jeweiligen Notenbank festgelegtes geldpolitisches Instrument zur aktiven Steuerung der in Umlauf befindlichen Geldmenge. Sie geben an, zu welchem Zinssatz sich Geschäftsbanken bei der zuständigen Notenbank refinanzieren und für wie viel sie überschüssige Einlagen parken können.

Diese Zinsen werden häufig von den Banken an ihre Kunden weitergegeben. Wodurch die Zinsentwicklung von Spareinlagen und auch von Krediten durch die Notenbank mittelbar beeinflusst wird. Dabei ist es das primäre Ziel der Notenbank, dass die Preisstabilität in einem Wirtschaftssystem gesichert und ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum gewährleistet wird.

Wer bestimmt den Leitzins in der Eurozone?

Innerhalb des Euroraums wird der Leitzins von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgesetzt. Sie ist unabhängig von den Regierungen der EU-Länder, sodass die Entscheidung über die Leitzinsänderungen vom sogenannten EZB-Rat frei bestimmt werden kann. Dieses Gremium bildet das oberste Beschlussorgan der EZB und tagt in der Regel alle 14 Tage.

Der Rat setzt sich aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten des Euroraums zusammen. Das Direktorium besteht aus drei Direktoren, dem Chefvolkswirt, dem Vizepräsidenten und dem Präsidenten der EZB. Seit 2019 wird das Präsidentenamt von der Politikerin und Juristin Christine Lagarde bekleidet.

Die drei Zinsarten der EZB

Auch wenn im Allgemeinen von „dem Leitzins“ gesprochen wird, gibt es im Euroraum drei verschiedene Arten von Leitzinsen, die die Zentralbank regelmäßig neu festsetzen kann:

Hauptrefinanzierungssatz

Als wichtigster Zinssatz der EZB gilt der Hauptrefinanzierungssatz – der „eigentliche Leitzins“. Er bezeichnet den Zinssatz, zu dem Geschäftsbanken ihr Geld bei der EZB leihen können. Möglich ist das bereits ab einer Laufzeit von einer Woche.

Die Voraussetzung für eine solche Refinanzierung ist jedoch, dass Banken entsprechende Sicherheiten hinterlegen müssen. Diese umfassen sogenannte „notenbankfähige Wertpapiere“ wie Bundesobligationen oder Staatsanleihen.

Die Höhe des Leitzins spielt dabei allerdings nicht nur für die Banken, sondern auch für Privatpersonen eine erhebliche Rolle. Denn je günstiger die Refinanzierung, desto niedriger sind oft die von der Bank ausgegebenen Kreditkonditionen. Gleichzeitig bedeutet es, dass die Zinsen für Spareinlagen eher geringer ausfallen.

Wird der Leitzins dagegen erhöht, müssen Privatpersonen im Umkehrschluss mit steigenden Kreditkonditionen rechnen. Im selben Zuge können sie allerdings auch von höheren Zinsen für Spareinlagen profitieren.

Spitzenrefinanzierungssatz

Der zweite Zinssatz der EZB ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Hierbei handelt es sich um einen Zins für kurzfristige Refinanzierungskredite auf Tagesbasis, die bereits am nächsten Tag von den Banken zurückgezahlt werden müssen.

Häufig kommt diese Form der Finanzierung zustande, wenn das Zentralbankkonto eines Kreditinstitutes zum Tagesende überzogen wurde. Folglich dient der Kredit zur Überbrückung von kurzfristigen Liquiditätsengpässen.

Um die Spitzenrefinanzierung jedoch in Anspruch nehmen zu können, ist es auch hier entscheidend, dass Banken Sicherheiten bei der EZB vorlegen. Sie dienen als Garantie dafür, dass der Kredit inklusive Zinsen zurückgezahlt werden kann.

Darüber hinaus nutzt die EZB den Spitzenrefinanzierungssatz, um indirekt auf den Finanzmarkt einzuwirken. Ist dieser so niedrig, wie aktuell mit 0,25 Prozent p.a., steigt die Attraktivität für Banken, statt kurzlaufender Einlagen, Bankkredite für ihre Finanzierung zu nutzen. So stellt die Höhe des von der EZB festgelegten Zinssatzes oft die Obergrenze für Tagesgeldzinsen von Banken mit Kapitalbedarf dar.

Einlagensatz

Zuletzt gibt der Einlagensatz die Höhe des Zinssatzes an, den Geschäftsbanken für kurzfristige Einlagen bei der EZB erhalten beziehungsweise bei Minuszinsen entrichten müssen. Diese Einlagen entstehen meist durch ein entsprechendes Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken.

Da der Einlagenzinssatz allerdings geringer ist als die Tagesgeldzinsen im Interbankenmarkt, sorgt die Zentralbank bewusst dafür, dass Geschäftsbanken ihr Guthaben eher bei anderen Kreditinstituten statt bei der Zentralbank anlegen. So stellt der Einlagensatz üblicherweise die Untergrenze für Tagesgeldzinsen dar und wird inzwischen von vielen Instituten als Negativzins an die Kunden weiterbelastet.

Entwicklung der Leitzinsen in Europa

Im Zuge der Finanzkrise kam es 2008 zu erheblichen Zinssenkungen. Seither blieben die Leitzinsen vorwiegend niedrig.

Das Rekordtief erreichte die EZB beim Spitzenrefinanzierungssatz und beim Hauptrefinanzierungssatz Anfang 2016. Der Einlagensatz wurde dagegen Ende 2019 ein weiteres Mal gesenkt, was zu einem historischen Tiefstand führte. Diese Zinssätze sind bis heute unverändert. (Stand: Mai 2021)

  • Spitzenrefinanzierungssatz 0,25 Prozent
  • Hauptrefinanzierungssatz 0,00 Prozent
  • Einlagensatz -0,5 Prozent

Entwicklung der Leitzinsen

Angesichts dessen, dass eine Inflationsrate von stabilen zwei Prozent seit der Finanzkrise 2008 nicht erreicht werden konnte, hält die EZB an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Auch in den nächsten Jahren ist es nach Aussage der EZB vorerst unwahrscheinlich, dass die Leitzinsen wieder angehoben werden. Gründe hierfür sind die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie.

Welche Auswirkungen hat die Anpassung der Leitzinsen?

Mit einer Erhöhung oder Senkung der Leitzinsen beeinflusst die EZB die ökonomische Entwicklung im Euroraum. Beispielsweise soll über eine Senkung der Leitzinsen die Inflationsrate erhöht und so einer deflationären Tendenz entgegengewirkt werden. Hierfür setzt die EZB mit der Vergabe von günstigen Krediten einen Impuls für einen erhöhten Konsum. Damit bietet die EZB gerade wirtschaftsschwachen Ländern die Möglichkeit, dass sie ihre Wirtschaft auch in Krisenzeiten stabilisieren und sich von einer schwachen Konjunktur erholen können.

Eine Erhöhung der Leitzinsen soll im Gegenzug eine Inflation verhindern und zu einer Steigerung des Geldwertes führen. Dementsprechend würden Konsumgüter sowie Dienstleistungen aufgrund von hohen Kreditkonditionen teurer werden. Gleichzeitig sorgt ein Anstieg der Leitzinsen für attraktivere Sparangebote wie zum Beispiel für Tagesgeld und Festgeld.

Während der Niedrigzinsphase in Tagesgeld und Festgeld anlegen

Zwar fallen aufgrund der derzeitigen Leitzinsen die Angebote für Spareinlagen im Allgemeinen eher gering aus, dennoch gibt es auch jetzt noch einige Angebote, die sich auch während der Niedrigzinsphase lohnen. Diese Angebote finden Sparer zum Beispiel bei Geldanlagen aus dem europäischen Ausland.

Bei ZINSPILOT erhalten Sparer Tagesgeld- und Festgeldangebote mit einem Zinssatz von bis zu „TOPZINS“. So können sie auch bei einer andauernden Niedrigzinsphase von einer guten Rendite profitieren und genießen gleichzeitig die Vorteile einer sicheren Geldanlage.

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