Wissenswertes zu den großen Ratingagenturen

Immer mehr Sparer wollen ihr Geld sicher anlegen und betreten dabei ein Terrain mit unzähligen Angeboten aus den unterschiedlichsten Ländern. Um jedoch die sichersten Angebote einfacher finden zu können, bieten Ratingagenturen eine gute Orientierungshilfe.

In diesem Artikel erfahren Sie:

Was versteht man unter dem Begriff Rating?

Bei einem Rating wird die Bonität von Emittenten, wie Ländern, Kreditinstituten und Wirtschaftsunternehmen beurteilt. Diese Bewertungen werden von sogenannten Ratingagenturen durchgeführt und meist in Form von Buchstaben ausgegeben, die von „AAA“ bis „D“ reichen und gleichbedeutend sind mit „sehr sicher“ bis „zahlungsunfähig“. Dementsprechend gilt, je höher das Rating ausfällt, desto besser ist die Kreditwürdigkeit des Emittenten.

Worin besteht die Rolle der Ratingagenturen?

Ratingagenturen sind unabhängige Akteure im Finanzsystem. Sie informieren Anleger und Kreditgeber über ihre Meinung zu Kreditrisiken, die auf umfangreichen Analysen basieren. Die überwiegende Mehrheit der Kreditratings wird dabei von den „Big Three“ den Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's Investor Services und Fitch IBCA vergeben. Sie decken rund 95 Prozent des Ratingmarktes ab.

Welchen Einfluss haben Ratingagenturen?

Die Einschätzung der Ratingagenturen hat bereits seit Jahrzehnten einen entscheidenden Einfluss auf die Stabilität der Finanzmärkte und das Vertrauen der Sparer in Anlageprodukte. Denn oft bilden Ratings die Basis bei der Anlageentscheidung und dienen im Zweifel als Grundlage dafür, ob und zu welchen Konditionen Emittenten Kredite aufnehmen können. Dabei gelten die Bewertungen der Agenturen als zukunftsorientierte Meinungen und stellen keine Prognose oder Empfehlung dar.

Wie wird eine Bewertung durchgeführt?

Ratingagenturen werden in der Regel von den Emittenten selbst beauftragt und bezahlt. Diese erteilen der Agentur einen sogenannten Mandatsvertrag. Erst dann beginnt der Ratingprozess, der auf dem Urteil von mathematischen Modellen, Analysten oder einer Kombination aus beidem aufbauen kann.

Für eine Bewertung durch Analysten beziehen Ratingagenturen die notwendigen Daten aus öffentlichen sowie nicht öffentlich zugänglichen Berichten und aus Interviews mit den Emittenten. Diese Informationen werden geprüft, um beispielsweise die Finanzkraft, Performance, politische Einflüsse und Risikofaktoren beurteilen zu können. Anschließend entscheidet ein Ratingkomitee über die Empfehlung der Analysten, bevor sie von den Emittenten zur Veröffentlichung genehmigt wird.

Zusätzlich erfolgt jährlich eine Prüfung der bereits vergebenen Ratings, die unabhängig von einem Auftrag stattfinden muss. Diese kann, wie auch bei der Erstprüfung für den Emittenten sowohl negative als auch positive Auswirkungen haben. Beispielsweise würde bei einer besseren Bewertungsstufe auch die Bonität des Emittenten steigen. 

Welchen EU-Regelungen unterliegen die Agenturen?

Um zu gewährleisten, dass Ratingaktivitäten im Einklang mit den Grundsätzen der Integrität, Transparenz, Rechenschaftspflicht und der guten Unternehmensführung durchgeführt werden, gilt seit 2009 die EU-Ratingverordnung Nr. 1060/2009, die 2013 ergänzt wurde. Diese Verordnung bestimmt unter anderem, dass sich Ratingagenturen, die ihren Hauptsitz oder eine Zweigstelle in der EU haben, bei der European Securities and Markets Authority (ESMA) registrieren müssen. Zudem besteht eine Berichtspflicht gegenüber der Europäischen Kreditbewertungsplattform.

Darüber hinaus sind Ratingagenturen dazu aufgefordert, Interessenskonflikte zu vermeiden, die beispielsweise durch einen Besitz von Anteilen an zu bewertenden Unternehmen entstehen können. Außerdem sind sie verpflichtet, die Qualität ihrer Prozesse stetig zu optimieren und ihre Methoden und Modelle offenzulegen.

Die Ratings bei ZINSPILOT

Bei jedem Anlageangebot über ZINSPILOT können Sparer das Länderrating des jeweiligen Bankenstandortes einsehen. Ein Länderrating ist ein Indikator dafür, wie die Solidität eines Staates zu beurteilen ist.

Zudem erhalten Sparer, ergänzend zu der Veröffentlichung des Länderratings, mit dem ZINSPILOT-Ratingindex einen Überblick, mit dem sie die verschiedenen Ratingstufen einfacher vergleichen und bewerten können. Dabei zeigt die Einstufung Ratingindex 1 und 2, dass ein Land im „Investment Grade” liegt. Es wurde dementsprechend mindestens mit einer mittleren bis hohen Bonität eingeschätzt. Um jedoch für die Ratingindexstufe 1 und 2 berücksichtigt zu werden, muss ein Staat von wenigstens zwei der führenden Ratingagenturen mit dem „Investment Grade“ bewertet worden sein.

Die Entstehung der großen Ratingagenturen

Die Ursprünge der Ratingagenturen gehen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Durch den landesweiten Ausbau der Eisenbahn in den USA waren mehrere Eisenbahngesellschaften auf die Erhöhung ihrer finanziellen Mittel angewiesen. Aufgrund dessen, dass der dadurch entstehende Kapitalmarkt allerdings weitgehend intransparent und anonym war, waren Kreditgeber einem hohen Risiko ausgesetzt.

Das änderte sich jedoch mit der Veröffentlichung der „History of the Railroads and Canals of the United States“ durch Henry Varnum Poor, Mitbegründer der späteren Standard & Poor’s Ratingagentur. Das Verzeichnis bot Kreditgebern eine detaillierte Auflistung der betrieblichen und finanziellen Lage der Eisenbahngesellschaften. Nur wenige Jahre später erfolgte 1909 das erste systematische Rating für die US-Eisenbahngesellschaften durch den Finanzanalysten John Moody.

Die jüngste Ratingagentur der „Big Three“ wurde 1913 durch John Knowles Fitch gegründet. Dieser entwickelte die Ratingskala AAA bis D. Sie ist heute das gängigste Einstufungssystem für die Kreditwürdigkeit von Ländern, Kreditinstituten und Wirtschaftsunternehmen.

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