Weltweites Zahlungsverhalten: Bargeld bleibt beliebtestes Zahlungsmittel der Deutschen

Trotz vieler technischer Innovationen vergeht hierzulande die Lust auf Bargeld nicht. Nach wie vor ist Barzahlung die bevorzugte Zahlungsart in Deutschland, so das Ergebnis der aktuellen Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2017“ der Bundesbank. Alle drei Jahre untersucht die Deutsche Bundesbank, wie die hiesige Bevölkerung am liebsten bezahlt. Auch wenn Cash immer noch Platz 1 belegt, holt die Kartenzahlung allmählich auf. Das kontaktlose Bezahlen steckt hierzulande zwar noch in den Kinderschuhen, aber Länder wie allen voran Schweden zeigen, wie auf Bargeld im Alltag verzichtet werden kann. Und wie sieht das Zahlungsverhalten eigentlich bei den beiden technischen Vorreitern Asien und Amerika aus?
 

Bargeldloses Bezahlen steigt nach und nach

Kaufen deutsche Kunden im Handel ein, dann zahlen sie zu 74 Prozent mit Scheinen und Münzen, also drei von vier Einkäufen in bar. Dabei werden vor allem kleinere Beträge, die unter 50 Euro liegen, meist cash an der Ladenkasse beglichen. Die Bundesbank teilte nun mit, dass im vergangenen Jahr die Barzahlungen gemessen am Umsatz erstmalig unter 50 Prozent lagen. Damit folgt Deutschland schrittweise dem europäischen Trend hin zum bargeldlosen Bezahlen. Laut Bundesbank werden 34 Prozent der erfassten Umsätze mit EC-Karten (Debitkarten), allen voran der beliebten Girocard, getätigt. Dennoch ist in der gesamten Euro-Zone das mit Abstand meistgenutzte Zahlungsmittel weiterhin das Bargeld.
 

In Deutschland gilt nach wie vor: „Nur Bares ist Wahres“

Die Deutschen haben im Schnitt 107 Euro Bargeld im Portemonnaie, davon etwa sechs Euro in Münzen. Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung (88 Prozent) möchte auch zukünftig dem Bargeld treu bleiben. Noch weniger gebräuchlich ist das mobile Bezahlen bei uns: Bloß zwei Prozent der Deutschen zahlen bereits mit dem Smartphone. Einzig beim kontaktlosen Bezahlen gibt es laut Bundesbank eine wenn auch nur geringe Steigerung. 2014 lag der Anteil der Zahlungen mit Kontaktloskarte (NFC-Chip) noch bei 0,1 Prozent, so stieg er 2017 auf 1,1 Prozent. Das geringe Niveau der Zuwächse zeigt, dass bei den Bundesbürgern die neuen Bezahlmöglichkeiten noch nicht weit verbreitet sind. 

Kontaktloses Bezahlen mit NFC-Technik und EMV-Chip

Schnelleres Einkaufen ohne mühsame Kleingeldsuche soll das kontaktlose Bezahlen ermöglichen. Viele Banken bieten bereits den Kunden Giro- und Kreditkarten mit kontaktloser Bezahlfunktion an. Ein Hinweis ist das Funksymbol auf der Karte, denn sobald die Karte aktiviert ist, können Sie Beträge bis zu 25 Euro kontaktlos bezahlen. Dafür müssen Sie die Karte einfach für kurze Zeit an ein Lesegerät des Bezahlterminals halten. Ab einem Betrag von mehr als 25 Euro müssen Sie zusätzlich eine PIN eingeben. Die erfolgreiche Transaktion wird mit einem optischen oder akustischen Signal bestätigt. Die kontaktlose Bankkarte enthält einen Mikrochip (EMV-Chip), der die Verbindung zum Terminal herstellt. Da es sich bei dem Terminal um ein spezielles Radio-Frequenz-Lesegerät (NFC-Händlerterminal) handelt, wird die Form des kontaktlosen Bezahlens auch als NFC-Technik („Near-Field-Communication-Technik“) bezeichnet. Mittlerweile bieten etwa 15 Prozent der Einzelhändler diese Technik an, darunter ALDI, LIDL und Kaufhof.
 

Bezahlen mit dem Smartphone

Während das mobile Bezahlen per Smartphone hierzulande noch nicht im Alltag angekommen ist, sieht es in Schweden ganz anders aus. Die App „Swish“ ist nach der Kartenzahlung das beliebteste Zahlungsmittel der Schweden, da es einen einfachen Geldtransfer über das Smartphone ermöglicht und das Geld schneller als bei einer Überweisung auf dem Konto eingeht. Das Unternehmen wurde von den sieben schwedischen Großbanken gegründet. Deshalb wird für die Nutzung von Swish ein Bankkonto bei einer der teilnehmenden Banken benötigt, das mit der eigenen Handynummer verbunden ist. Mit der App können nicht nur Überweisungen getätigt werden, sondern auch in zahlreichen Läden und Restaurants wird per Swish bezahlt. Der entsprechende Betrag wird via App oder an der Kasse mit Scan des QR-Codes beglichen. Anfang 2017 nutzten bereits fünf Millionen Schweden die Bezahl-App, also jeder zweite Schwede. Kein Wunder, denn selbst die Kollekte nach dem Sonntagsgottesdienst oder Spenden an Obdachlose können bargeldlos mittels eines Kartenlesegerätes entrichtet werden.
 

Asien ist den USA einen Schritt voraus

Es ist kein Geheimnis, dass Amerika das Land der Kreditkarte ist. Viele alltägliche Dinge wie Kaugummi oder Briefmarken werden mit „plastic“ bezahlt. Das kontaktlose Bezahlen hingegen nutzen nur wenige Menschen. Immerhin 15 Prozent der US-amerikanischen Einwohner greifen zum Smartphone, um Einkäufe zu begleichen. Noch fortschrittlicher ist indessen Asien: China führt weltweit die Liste beim Mobile Payment mit 20 Prozent an - die Bevölkerung bezahlte 2017 rund 109 Milliarden Euro mit dem Smartphone. In absoluten Zahlen belegen die USA den zweiten Platz mit 65 Milliarden Euro. Die beiden in China führenden Anbieter für kontaktloses Bezahlen verzeichnen eine große Anhängerschaft. Die zum Alibaba-Konzern zugehörige App „Alipay“ hat 400 Millionen Nutzer. Von der Konkurrenz-App „WeChat“ machen sogar 600 Millionen Menschen Gebrauch. Dabei wird das kontaktlose Zahlen über einen QR-Code abgewickelt, der am Ende des Einkaufs mit dem Smartphone gescannt und abschließend die Zahlung nur noch auf dem Handy bestätigt werden muss.

Wenn es um das Bezahlen der Zukunft geht, ist der asiatische Kontinent durchaus weiter als andere Länder. So plant Südkorea bis 2020 Münzen vollständig abzuschaffen. Um das Ziel zu realisieren, können Südkoreaner ihr Wechselbargeld auf einer Geldkarte gutschreiben oder direkt auf ihr Bankkonto buchen lassen. In Indien werden Pläne der Regierung laut, Bargeld komplett aus dem Umlauf zu nehmen, um so gegen Korruption und Schattenwirtschaft vorzugehen. Bereits heute zwingt Indien seine Bürger zum bargeldlosen Zahlen, was zu einem Bargeldmangel in dem Land führt. Auch in Japan wird an einer Reduzierung des Bargelds gearbeitet. Pünktlich zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 soll die digitale Währung „J Coin“ eingeführt werden, der eine Bezahlung über das Smartphone und der dazugehörigen App mit Scan auf einen Barcode ermöglicht.
 

Fazit: Leben ohne Bargeld möglich, aber die Deutschen bleiben skeptisch

In vielen Teilen der Welt hat sich der Bezug zum Bargeld längst gewandelt, so auch in einigen europäischen Ländern. Die Niederlande, Belgien, Finnland und Italien haben bereits die 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft und die Rundungsregel eingeführt. Auch in Deutschland steigt die Zustimmung für die Einführung einer solchen Regel, um das Ende von „Klimpergeld“ einzuläuten. 47 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, krumme Beträge auf fünf Cent auf- oder abzurunden. Die Vorreiter der bargeldlosen Transaktionen bleiben die Schweden. Egal ob am Kiosk, für den Coffee to go oder selbst das „Kleingeld“ für Obdachlose: Das skandinavische Land akzeptiert überall die Kartenzahlung. Schweden möchte soweit es geht auf Bargeld verzichten, denn damit wird der lästige Verwaltungsaufwand − Geld zählen, abtransportieren und einzahlen − überflüssig.

Einen starken Gegensatz zu den technologieaffinen Schweden bildet Deutschland. Das Verhalten der schwedischen Konsumenten zeigt durchaus vollstes Vertrauen in das Finanzsystem. Die Deutschen hingegen hegen weiterhin Sicherheits- und Datenschutzbedenken und nutzen nur allmählich die neuen Wege des kontaktlosen und mobilen Bezahlens. Vielleicht wird in der Zukunft die Verbesserung der Infrastruktur und der Ausbau von Netzverbindungen etwas dazu beitragen, dass Deutschland offener gegenüber modernen Zahlungsmitteln wird.
 

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