Gratis Gelder in einzelnen Staaten - Was verbirgt sich hinter dem Helikoptergeld?

Seit Beginn dieses Jahres erwägen immer mehr Länder aufgrund der Corona-Krise einen Blick auf ungewöhnliche Maßnahmen, um wirtschaftliche Verluste zu minimieren. Einige Staaten haben diese sogar bereits umgesetzt. Für Millionen US-Amerikaner und Chinesen (Hongkong) sind Geldgeschenke der Regierung keine wahnwitzige Idee mehr. Mit dem Ziel, den Konsum wieder zu steigern, erhielten beispielsweise US-Bürger Ende März 2020 Gelder in Höhe von einmalig 1200 Dollar pro Person in Form von Konsumentenchecks. Aber auch in Teilen Europas wird seit neustem der Wunsch nach Geldgeschenken immer größer, beispielsweise in Form eines sogenannten Helikoptergeldes.

Erfahren Sie in diesem Artikel, was sich hinter dem Helikoptergeld verbirgt und welche Auswirkungen diese eher unkonventionelle Form der Geldpolitik hat:

Was ist das Helikoptergeld?

Als Helikoptergeld werden im einfachsten Sinne Geldgeschenke bezeichnet, die von den Zentralbanken direkt an die Bevölkerung ausgezahlt werden, ohne dass diese eine Gegenleistung erbringen müssen. Im Grunde ein Geldregen, der aus einem Helikopter geworfen wurde.

Diese Gelder werden als Liquiditätsspritze für eine schwache Wirtschaft in der Regel neu von der Notenbank geschaffen und in Umlauf gebracht. Das kann unter anderem durch direkte Überweisungen oder Konsumentenschecks geschehen. Dabei ist es das Ziel, dass die Gelder von der Bevölkerung in den Geschäften wieder ausgegeben werden und die Inflationsrate ansteigt.

Über diesen Grundgedanken des Helikoptergeldes hinaus bestehen jedoch noch weitere Modelle. Diese sehen beispielsweise Geldgeschenke an die Regierungen zur Senkung von Staatsschulden, für Infrastrukturprojekte, zur Reduktion von Krankenkassenprämien oder für Steuergutschriften vor. Zudem wäre es eine Option, dass Notenbanken Schuldverschreibungen von Banken aufkaufen, damit die Kreditinstitute im Gegenzug die dadurch erwirtschafteten Gelder an ihre Kunden weitergeben.

Was sind die Vorteile eines Helikoptergeldes?

Bei einem Helikoptergeld handelt es sich um eine äußert kontrovers diskutierte Maßnahme. Der Grund dafür ist, dass die Auswirkungen des Helikoptergeldes nur schwer einzuschätzen sind, da es lediglich eingesetzt werden würde, wenn alle anderen Mittel der expansiven Geldpolitik versagt haben. Für Befürworter des Helikoptergeldes wie beispielsweise Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktaufsicht FSA sowie Ben Bernanke, ehemaliger Präsident des Federal Reserve Board, bieten sich bei dieser Maßnahme dennoch Vorteile:

  • Helikoptergeld wird, ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen, an die Bevölkerung ausbezahlt
     
  • Es benötigt keine erhöhte Kreditaufnahme, wodurch neue Staatsschulden wegfallen
     
  • Durch Geldgeschenke soll es der Bevölkerung leichter fallen, diese Gelder schneller wieder auszugeben
     
  • Ein erhöhter Konsum würde sich direkt auf das Wirtschaftswachstum auswirken
     
  • Eine Inflationsrate, die sich unter der Nullmarke befindet, könnte sich längerfristig wieder Richtung des Inflationszieles der einzelnen Notenbanken bewegen, wodurch sich das Wirtschaftswachstum nachhaltig erholen könnte

Worin bestehen die Nachteile bei einem Helikoptergeld?

Ebenso wie Befürworter gibt auch eine Reihe kritischer Stimmen, die das Helikoptergeld und seine möglichen Auswirkungen eher als unsicher ansehen. Unter den Kritikern befinden sich unter anderem Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank. Zu den möglichen Nachteilen und Risiken zählen beispielsweise folgende Punkte:

  • Bei einem Helikoptergeld ist es ungewiss, ob die Bevölkerung die erhaltenen Gelder nutzt, um die Wirtschaft anzukurbeln oder sie in Sparprodukte wie Tagesgeld und Festgeld anlegt
     
  • Ein Aufschwung der Wirtschaft könnte bei einer einmaligen Zahlung lediglich von kurzer Dauer sein
     
  • Es kann zu Präzedenzfällen führen, bei denen Gelder wiederholt aus dem Nichts geschaffen werden, um wirtschaftliche Probleme zu lösen
     
  • Bevölkerung und Investoren könnten das Vertrauen in die eigene Währung verlieren
     
  • Es kann zu einer erheblichen Abwertung im Devisenmarkt kommen

Wie wahrscheinlich ist die Einführung des Helikoptergeldes in der Eurozone?

Seit 2003 ist es das Ziel der EZB, eine Inflationsrate von rund 2 Prozent zu erreichen, um die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum aufrechterhalten zu können. Trotz Minuszinsen rückte dieses Ziel jedoch unter anderem durch die Corona-Pandemie weiter in die Ferne. Aus diesem Grund diskutieren Ökonomen in Europa über neue und auch extremere Lösungsvorschläge - darunter das Helikoptergeld. Ob es jedoch in der Eurozone eingesetzt wird, ist eher fraglich.

Auch wenn die Corona-Pandemie die EZB derzeit massiv in Bedrängnis bringt, scheinen mögliche Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft zu sein. Bereits in den letzten Monaten griff die EZB angesichts der Corona-Krise auf verschiedene Maßnahmen zurück, die bis heute greifen. Beispielsweise wurde im Juni 2020 das Anleihenkauf-Programm PEPP aufgestockt und verlängert, die Strafzinsen auf unveränderten 0 Prozent belassen und die Kreditvergabe durch Senkung von Auflagen vereinfacht. Doch auch wenn sich die Möglichkeiten erschöpfen, wird zumindest bis auf Weiteres die Idee des Helikoptergeldes von EZB-Präsidentin Christine Lagarde ignoriert. Denn Fakt ist, dass das Helikoptergeld lediglich als allerletzter Ausweg genutzt werden sollte.

Die Ursprünge des Helikoptergeldes

Dir ursprüngliche Idee sowie auch der Begriff des Helikoptergeldes entstammten vom US-Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman. Der im Jahr 1976 ausgezeichnete Nobelpreisträger veröffentlichte 1969 sein Gedankenexperiment in seinem Essay "The Optimum Quantity of Money":

"Nehmen wir nun an, dass eines Tages ein Hubschrauber über diese Gemeinde fliegt und zusätzlich 1.000 Dollar in Scheinen vom Himmel abwirft, die natürlich in aller Eile von den Gemeindegliedern eingesammelt werden. Nehmen wir weiter an, dass alle davon überzeugt sind, dass dies ein einzigartiges Ereignis ist, das sich nie wiederholen wird.“


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